Was ist drin im Gin? – Sieben Botanicals für sieben besondere Destillate

Was ist drin im Gin - Botanicals

Bei Gin denkt man zwangsläufig an die Aromatisierung mit Wacholder-Beeren. Der Name der Spirituose leitet sich indirekt von dessen botanischen Namen Juniperus ab. Dabei setzt sich ein Gin aus einer Vielzahl Geschmacksbeauftragter, Botanicals genannt, zusammen.

Der aromatische Vizekanzler ist oftmals Koriander, das Kabinett besteht aus den üblichen Verdächtigen wie Zitronenschale, Angelikawurzel und Kassiarinde.

Doch was kommt dahinter? Wir stellen euch sieben weitere Kandidaten vor, die im Duft- und Geschmacksparlament hochwertiger Gins sitzen. Selbstverständlich findet ihr in unserem kleinen Wahlprogramm auch die Informationen, in welchem Gin die einzelnen Botanicals Verwendung finden.

Ackerkratzdistel

Was nach einem streitsüchtigen Kabinettsmitglied klingt, präsentiert sich äußerlich keineswegs bieder. Jeder hat sie schon mal gesehen. Das violette Pflänzchen mit den bedornten Blättern aus der Familie der Korbblüter wächst in ganz Mitteleuropa am Wegesrand. Manch einer bezeichnet sie als Unkraut.

Ein schottischer Akzent noch dazu macht in der Spirituosenwelt sogleich sexy. Kein Wunder, dass sie sich auch auf der Insel Islay niederließ. Schließlich gibt es dort mit den besten Whisky der Welt.

In der Destillerie Bruichladdich ergatterten ihre Blüten ein Mandat für den The Botanist Islay Dry Gin. Dort ist sie Bestandteil eines wahnsinnig komplexen Genussserlebnisses im Zusammenspiel mit 21 weiteren handverlesenen Botanicals – Blumigkeit in voller Pracht!

Bergamotte

Die Bergamotte ist der Kosmopolit unter den Botanicals. Sie hat einen langen Weg in unsere Gefilde hinter sich. Darüber, wie sie zu uns kam, existieren viele Legenden.

Angeblich brachte Christoph Kolumbus den Kosmopoliten von den Kanaren nach Spanien. Anschließend ging es nach Italien, wo man sie nach der Stadt Bergamo benannte. Noch heute verbringt sie ihre Jugend in Kalabrien.

Wie dem auch sei, sie zeichnet sich durch ihr leicht bitteres Aroma aus, dass in Parfüms und im Earl Grey Tee schon lange Verwendung findet. Als Botanical bereichert sie unter anderem den No.209 Gin oder den London No. 1 Gin.

Kümmel

Die weiß gefiederte Pflanze aus der Familie der Doldenblütler ist eines der ältesten Gewürze, das Menschen zur Verfeinerung von Gerichten verwenden. Bereits 3000 v. Chr. kochte man mit Kümmel.

Erwähnung findet er im berühmten Kochbuch des Apicius mit dem schönen Namen „De re coquinaria“ aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Im Mittelalter trugen manche unserer Artgenossen ein Halsband aus Kümmel. Obgleich das ein wenig streng gerochen haben mag, hielt man daran fest. Schließlich half es angeblich gegen böse Geister.

Sein süßlich-scharfes Aroma bereichert den Mombasa Club London Dry Premium Gin. Dieser ist eine Hommage an die mit exotischen Botanicals gespickte Spirituose, die im späten 19. Jahrhundert von den Engländern in den Klubs der kenianischen Hauptstadt getrunken wurde.

Safran

Im französischen Dijon hat es ein gelber Abgeordneter in die Versammlung der Botanicals geschafft. Safran (persisch für „das Gelbe“) ist seit jeher sowohl beim Volk als auch bei den Mächtigen beliebt.

Angeblich schlief bereits Göttervater Zeus auf einem Bett aus dem Krokusgewächs. Man sagt ihm nach, eine beruhigende Wirkung zu haben. Wer „auf einem Sack Saffran geschlafen“ hat (in sacco corci dormivit), kennt tags darauf keinen Stress.

Die Griffel des Safrans, der in Nordafrika, Asien und Südeuropa angebaut wird, bilden die Grundlage für das Gewürz. Die Vorliebe für das exotisch-orientalische machte ihn im 19. Jahrhundert zu einer gängigen Zutat.

Der aus dem traditionsreichen Hause Boudier stammende Saffron Gin vertraut auch heute noch auf ihn als Botanical. Neben seinem Namen und der Farbe verleiht er dem Saffron Gin auch eine herrlich süßliche, würzige Note.

Schlehenbeeren bzw. Schlehdorn

Der Schlehdon besitzt mehr Namen, als so mancher Kanzler Ehefrauen. Man nennt ihn Schlehe, Schwarzdorn, Heckendorn oder auch Deutsche Akazie. Das Steinobst macht sich fast überall in Mitteleuropa, linkerhand und rechterhand des Urals, sowie in Nordafrika breit.

Dem Volksglauben nach eignet sich die Schlehe zur Enthexung des eigenen Grundstücks. Zudem machte man sie dafür verantwortlich, das Rohmaterial für die Dornenkrone Jesu geliefert zu haben. Dass man anhand ihres Wachstums Ernte und Wetter vorhersagte, macht das Rosengewächs sympathischer. Sie ist sozusagen der Agrarminister unter den Botanicals.

Ihren fruchtig-herben Geschmack verewigen Brennkünstler seit langem in so manchem feinen Likör. Beispielsweise entfaltet sie im Villa Konthor Sloe Liqueur mit Whiskey ihr volles Aroma. Im Schwarzwald setzen auch Gin-Brenner auf die Schlehe. Das Ergebnis ist der hervorragende Monkey 47 Gin Sloe.

Thymian

Mut und Kraft benötigt man, wenn man sich unter vielen großartigen Aromen behaupten will. Das Wort „thymos“, von dem sich der Name des Thymians ableitet, bedeutet genau das und stammt aus dem Mutterland der Demokratie.

Die strauchartigen, weiß, creme, pink oder violett gewandeten Pflanzen gehören zu den Lippenblütengewächsen und werden auch Quendel genannt. Thymian kennt sich auf vielen Gebieten aus. Im Gesundheitswesen bekämpft er seit der Antike alle Formen der Atemnot. Als Weihrauch auf ihren Altären verbrannt, qualmte man auch die Götter ordentlich mit Thymian zu.

Thymian besticht mit einem herzhaft-herben Aroma. Daher ist es nicht überraschend, dass auch die Kreativen der Gin-Branche darauf setzen. Beispielsweise verleiht Thymian dem Gin Mare einen Teil seines mediterranen Aromas.

Yuzu

Jetzt wird es richtig exotisch! Nein, wir reden nicht über die Jusos, sondern die Yuzu! Sie ist klein und trägt einen gelben Pulli. Damit ist sie prädestiniert dafür, Geschmacksgrenzen zu öffnen.

Der Einfluss Chinas ist allgegenwärtig. Seit tausenden von Jahren baut man im Becken des Yangtze eine Mischung aus einer einheimischen Zitronenart und der Mandarine an. Ihr sauer-saftiges, zartbitteres Aroma ist komplexer als das einer gewöhnlichen Zitrone. Daher geht sie auch einem Nebenerwerb in der Parfümindustrie nach.

Um am das Öl zu kommen, wird sie geschnitten, gerieben und gepresst. Das Mandarinenaroma bereichert Jinzu Gin, der auf dem japanischen Reiswein Sake basiert.

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Falls du die Aromen im Gin deiner Wahl im passenden Gefäß genießen möchtest, empfehlen wir dir diese Gläser (*). Weiterhin können wir dieses Buch (*) über Gin ans Herz legen.

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