Die kleine Geschichte des Schwarzbrennens 🤫

Schwarzbrennen

Gemeinhin werden illegal erzeugte Spirituosen als Schwarzbrände bezeichnet. Dabei wird zwischen nicht gemeldeten Destillen und nicht versteuerten Bränden aus angemeldeten Anlagen unterschieden. Das Erstere wird als Geheimbrennerei bezeichnet, das Zweite als Schwarzbrennerei. In der Umgangssprache wird vorwiegend die Destillation (oft häuslich mit kleinen Kesseln) von hochprozentigen Getränken durch nicht angemeldete Geräte als Schwarzbrennerei bezeichnet.

Mit der Erhebung von Branntweinsteuer, der Spirituosen verteuert, um die Bevölkerung vor Alkoholmissbrauch zu schützen, wurde die heimliche Herstellung von Bränden zunehmend lukrativer. Auch das Verbot von alkoholhaltigen Getränken in manchen Ländern, der sogenannten Prohibition, führte dazu, dass ganze Wirtschaftszweige in den Untergrund abtauchten.

Schwarzbrennen

Die folgenden Kapitel reißen die lange und vielfältige Geschichte des Schwarzbrennens in verschiedenen Ländern an und heben Besonderheiten hervor. Wir wünschen viel Freude bei der unterhaltsamen Lektüre!


Gefahren des Schwarzbrennens

Die illegale Herstellung von Spirituosen ist nicht ungefährlich. Bei unsachgemäßer Ausführung kann es zu bösen Überraschungen kommen. Nicht ohne Grund ist heute der Beruf des Brenners ein Ausbildungsberuf mit dreijähriger Lehrzeit.

Die erste Gefährdung geht von der Brennblase selbst aus.

Diese kann überkochen oder platzen, beides geschieht von Zeit zu Zeit bei einfachen Geräten immer noch. Dazu kommt die Gefahr eines Brandes oder gar einer Explosion, weil der gewonnene Alkohol feuergefährlich ist und sein Gemisch mit der Atemluft explosionsfähig sein kann.

Als Zweites ist die Giftigkeit mancher Stoffe zu nennen.

Bei der Vergärung von Zucker oder Stärke entsteht neben Ethanol (Ethylalkohol) auch Methanol (Methylalkohol), der giftig ist. Wird dieser Alkohol nun aus Unkenntnis, oder um den Profit zu erhöhen, beim Brennen nicht vom Hauptbrand getrennt, ist das Destillat giftig. Wer diesen Schnaps trinkt, kann erblinden und im ungünstigsten Fall sogar als Folge des Genusses sterben.

Nicht unerheblich ist auch die dritte große Gefahr, nämlich die Entdeckung der Destille durch Agenten bzw. Polizei.

Als Folge wird die illegale Anlage konfisziert und ein Disziplinarverfahren eingeleitet. In Deutschland muss die Branntweinsteuer nachträglich entrichtet werden und es ist mit einer empfindlichen Strafe zu rechnen.


Die kleine Geschichte des Schwarzbrennens

in Deutschland, Irland, Schottland und Amerika

Schwarz- und Geheimbrennen in Deutschland

Schon früh wurde die häusliche Produktion von Branntwein durch das Brennrecht eingeschränkt. Seit 1922 ist die Herstellung im Branntweinmonopolgesetz geregelt, das 2018 in das Alkoholsteuergesetz überging. Seitdem ist das private Brennen definitiv verboten, selbst die Gewinnung marginaler Mengen ist nicht mehr erlaubt.

Ähnlich den amerikanischen Moonshinern entwickelte sich, durch die Besteuerung ausgelöst, eine Schattenkultur aus ambitionierten Brennern. Diese stellen auch heute noch einen nicht unerheblichen Teil der in Deutschland erzeugten Spirituosen her, Schätzungen sprechen von bis zu einem Fünftel. Die Strafe bei Entdeckung ist hoch und empfindlich, was aber besonders in Krisenzeiten nicht davon abschreckte, weiterhin Schnaps zu brennen.

Selbstgebrannter Schnaps

Zahlreiche Geschichten ranken sich um diesen schwarzgebrannten Schnaps. Erzählungen von Landwirten, die nach dem Genuss der selbstgebrannten Köstlichkeit im Stall neben ihren Tieren einschliefen und dann morgens von ihren Schweinen oder Kühen geweckt wurden, gibt es viele.

Zuckerrüber

Legendär ist im deutschen Sprachraum die Herstellung von Rübenbrand, der im Rheinland »Drei Sterne Knolly-Brandy« genannt wird. Dieser meist nur einfach gebrannte Schnaps verlangt sowohl dem Produzenten als auch dem Genießer viel ab. Der Geruch beim Vergären der Rüben ist entsetzlich und der Geschmack des Destillats mehr als nur gewöhnungsbedürftig. Zum Glück entstehen beim Gärprozess der Zuckerrüben nur geringe Mengen Methanol (Methylalkohol) (Keyword: Methanol Methylalkohol), sodass die Anzahl der Vergiftungen sich in Grenzen hielt.

Auch ungewöhnliche Kooperationen zwischen Brennern und Polizei gab es gelegentlich, besonders im ländlichen Raum. Natürlich waren die Ordnungshüter angewiesen, bei auffälligem Alkoholgeruch nach der Ursache zu forschen. Darum einigte sich ein Eifeldorf darauf, dass an einem bestimmten Wochentag keine Schutzmänner den Ort betraten. An diesem Tag wurden dann von allen aktiven Landwirten die vergorenen Rüben destilliert. Das roch bestialisch und wäre darum ein eindeutiges Indiz für die verbotene Tätigkeit gewesen. Der Lohn für die achtsamen Polizisten war eine Flasche Destillat die Woche für jeden, eine gute Abgeltung für die damalige Zeit, in der es Schnaps nur auf dem Schwarzmarkt zu kaufen gab.


Poitin, der legendäre Whisky aus Irland

Der Name bedeutet so viel wie »Töpfchen« und weist darauf hin, dass er in kleinen Destillen hergestellt wird. Seit 1760 ist die private Herstellung verboten, was aber nicht dazu führte, dass der beliebte Brand nicht mehr destilliert wurde. Ganz im Gegenteil entwickelte sich eine Kultur im Untergrund, die den selbstgebrannten Whisky weiter brannte.
Der Grund liegt wohl im Freiheitsdrang der Iren und in dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Hinzu kommt der unverwechselbare Geschmack, der wegen der kurzen Reifezeit an Obstbrand erinnert.

Tatsächlich wurden über diesen schwarzgebrannten Poitin schon Bücher geschrieben, die den nicht enden wollenden Kampf der Schwarzbrenner gegen die Ordnungskräfte auf amüsante Art und Weise beschreiben.

Schwarzbrennen in Irland

Interessant ist, dass selbst weltbekannte Brände in kleinen Destillen hergestellt werden. Das hat seinen Grund darin, dass der Prozess der Destillation dann deutlich besser zu überwachen ist, was sich positiv auf die Qualität auswirkt.


Schwarzbrennerei in Schottland

Im 18. Jahrhundert wurde die illegale Herstellung von selbstgebranntem Whisky durch die erlassenen Steuergesetze lukrativ. Die oft arme Landbevölkerung verkaufte die Brände, um die Mieten für ihre Höfe zahlen zu können. Die Regierung, die selbst auf die Steuereinnahmen angewiesen war, forcierte die Kontrolle und stellte dazu zahlreiche Steuereintreiber ein. Dies machte aus den Schotten frühe Moonshiner, die versteckt ihrem Schattengewerbe nachgingen.

Schwarzbrennen in Schottland

1494

Nachweislich wurde in Schottland seit 1494 Whisky gebrannt. Der Name zeigt an, dass es sich damals um ein Heilmittel handelte, Whisky bedeutet in etwa »Wasser des Lebens«. Es dauerte aber nicht lange, und das Getränk wurde auch zu anderen Zwecken genutzt. In Folge entstanden etliche illegale Destillen, die unter Missachtung der Gesetzeslage das zunehmend beliebte Destillat herstellten. Der daraus entstehenden Mangel an Gerste führte dazu, dass die genehmigte Destillation nur wenigen Clans vorbehalten wurde.
Bedingt durch die schwer zugängliche Landschaft hatten die Behörden es schwer, die zahlreichen Schwarzbrennereien aufzudecken. Es wurden Agenten eingesetzt, die in der Bevölkerung unbeliebt waren. Die Schotten verweigerten jede Kooperation mit ihnen und Robert Burns dichtete angeblich, dass der Teufel mit den Steuereintreibern aus der Stadt tanzen solle.

1644

Als dann 1644 von Oliver Cromwell die Steuern abermals erhöht wurden, dehnte sich die Herstellung von schwarzgebranntem Whisky weiter aus. Die Anzahl der im Land verstecken Destillen wurde in dieser Zeit auf rund 14000 Stück geschätzt, praktisch jeder landwirtschaftliche Betrieb verfügte über eine illegale Brennblase.

1707

Als sich im Jahre 1707 Schottland mit England vereinigte, wurde eine hohe Malzsteuer eingeführt. Diese wurde von den unbeliebten englischen Steuereintreibern mit militärischer Hilfe eingetrieben, was den Unmut in der Bevölkerung weiter steigerte. Die mächtigen Clans und sogar die katholische Kirche verhinderten mit allen Kräften, dass gestellte Schwarzbrenner verurteilt wurden.

1736

Whisky war als Einkommensquelle so wichtig, dass es 1736 zu Aufständen in Edinburgh kam. In dessen Folge wurde der Offizier John Porteous, der einen Schmuggler zum Tode verurteilt hatte und hinrichten ließ, von der aufgebrachten Menge gelyncht.

Die damalige Regierung ergriff weitere Maßnahmen zur Bekämpfung und Besteuerung, doch erzielte damit regelmäßig das Gegenteil der gewünschten Wirkung. Es war ein nicht enden wollendes Katz- und Mausspiel, bei dem die freiheitsliebenden Schotten sich als sehr fantasievoll erwiesen.

Um die hohen Malzsteuern zu umgehen verwendeten sie ungemälztes Getreide oder wanderten weiter in die Illegalität ab. Sie errichteten mobile Destillen, die sich in dem bergigen Land gut verstecken ließen, oder zogen sich in Schluchten und Höhlen zurück.

Trotz aller Mühen hatten die staatlichen Kontrolleure nur mäßigen Erfolg, da half auch die Aussetzung einer Belohnung in Höhe von fünf Pfund je gemeldete Geheimbrennerei nicht viel.

Die Bevölkerung hielt zusammen, und wenn eine Destille abgewirtschaftet war, zogen die Brennmeister um und zeigten die zurückgelassene Brennerei selbst an. Von dem Geld konnten sie sich dann eine neue Schwarzbrennerei einrichten.

Der Nationaldichter Robert Burns verfasste damals sein berühmtes Zitat: »Freedom and whisky gang thegither« (Freiheit und Whisky gehören zusammen), was den damals vorherrschenden Zeitgeist treffend beschreibt.

Schwarzbrennen Schottland

Auch der Schmuggel war weit entwickelt. Frauen schnallten sich Blechkanister mit etwa zehn Liter Inhalt um den Unterbauch. Wegen der speziellen Form der Kanister sahen sie dann aus, als wären sie kurz vor Ende einer Schwangerschaft. Auf diese Weise wurden nicht unerhebliche Mengen über die Grenze nach England gebracht, wo dieser Whisky hoch geschätzt war.

Das lag daran, dass er, wie der Poitin aus Irland, in meist recht kleinen Brennblasen gebrannt wurde. Der Geschmack war deutlich besser als der legal entstandene, der von den Engländern nach Möglichkeit gemieden wurde.

1823

Gegen 1823 gab die britische Regierung den Kampf gegen die Schwarzbrennerei auf und sann nach Mitteln, um an dem gigantischen Geschäft partizipieren zu können. Duke Alexander Gordon hatte die Idee, alle Brennereien, die eine einmalige Gebühr von zehn Pfund entrichteten und mehr als dreißig Gallonen reinen Alkohol je Jahr produzierten, straffrei zu stellen. Pro Gallone forderte er den verhältnismäßig geringen Betrag von zwei Shilling und drei Pence, das war wenig genug, um eine Destille profitabel betreiben zu können.

Diese Maßnahme war von Erfolg gekrönt. Etliche Geheimbrennereien gaben ihre illegale Tätigkeit auf und brannten fortan auf legalem Wege Whisky. Darunter finden sich auch weltbekannte Marken wie zum Beispiel Lagavulin, Cardhu, The Glenlivet und viele andere.

Zehn Jahre nach dieser Maßnahme waren von den abertausenden illegalen Destillen nur noch wenige hundert übrig, fünfzig Jahre später angeblich nur noch eine Handvoll.

Whisky eingießen

Auch wenn die große Zeit der Schwarzbrennerei schon lange vorbei ist, so wird sich an Robert Burns Zitat immer noch gerne erinnert. Und sicherlich bergen die schottischen Highlands noch manches Geheimnis. Die Herstellung von gutem Whisky mit einer simplen Kupferdestille ist im eigenen Haus mit etwas Fachwissen gut möglich. Darum ist es unwahrscheinlich, dass die Schotten das Brennrecht genau beachten und auf einen ureigenen Schluck verzichten wollen.


Schwarzbrennen in den USA

Das wohl bekannteste Alkoholverbot bestand in der Zeit von 1920 bis 1933 in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Damals wurde in den USA sehr viel und sehr unbedacht getrunken, Alkoholismus war ein gesellschaftliches Problem. Zudem lag die Bierproduktion meist in den Händen deutscher Einwanderer, der Konsum wurde von den Befürwortern der Prohibition als unpatriotisch und unamerikanisch gebrandmarkt. Auf Druck der Öffentlichkeit wurde das Veto des damaligen Präsidenten Wilson überstimmt und das Verbot als 18. Zusatzartikel in die Verfassung aufgenommen.
Tatsächlich sank der Alkoholkonsum in der Folgezeit und durch Trunksucht bedingte Krankheiten wurden durch die Verknappung seltener. Dies stand im krassen Gegensatz zu den negativen Auswirkungen, die nicht unerheblich waren. Die Regierung schaffte es nicht, das Verbot umzusetzen, weil sie dazu zu wenig Agenten einstellte.

Darum entwickelte sich das illegale Gewerbe schnell, die Nachfrage nach Alkohol war unverändert hoch. Die Kriminalität stieg bereits im ersten Jahr des Verbots um ein Viertel an und nahm auch in den Folgejahren weiterhin zu. Letztendlich war es so, dass noch heute bestehende Syndikate in diesen Jahren geschaffen wurden bzw. sich etablieren konnten. Diese schafften es, den Bedarf in illegalen Anlagen zu erzeugen und durch die Schwarzbrennerei samt dem Vertrieb des Alkohols enorme Gewinne zu generieren. Das Geschäft war so lukrativ, dass sich die Inhaber private Kleinarmeen leisten konnten, die dafür sorgten, dass in bestimmten Bezirken das Monopol auf den verbotenen Handel erhalten blieb.

Moonshiner

Zwar ging die Anzahl der alkoholbedingten Krankheiten nachweislich zurück, gleichzeitig wuchs aber die Menge der Menschen, die sich mit schlecht destilliertem Alkohol vergifteten.

Sogenannte Moonshiner, also Geheimbrenner, die nachts arbeiteten, um den Prohibitionsagenten zu entgehen, waren oft genug nicht mit den Grundlagen der Erzeugung von Spirituosen vertraut. Sie stammten meist aus der Unterschicht und sorgten mit ihrem Schattengewerbe für ein Nebeneinkommen. Bei der Herstellung wurden daher oft aus Unkenntnis, manchmal aber auch um den Profit zu erhöhen, das giftige Methanol nicht sauber vom Hauptbrand getrennt.

Zwar ging die Anzahl der alkoholbedingten Krankheiten nachweislich zurück, gleichzeitig wuchs aber die Menge der Menschen, die sich mit schlecht destilliertem Alkohol vergifteten.

Sogenannte Moonshiner, also Geheimbrenner, die nachts arbeiteten, um den Prohibitionsagenten zu entgehen, waren oft genug nicht mit den Grundlagen der Erzeugung von Spirituosen vertraut. Sie stammten meist aus der Unterschicht und sorgten mit ihrem Schattengewerbe für ein Nebeneinkommen. Bei der Herstellung wurden daher oft aus Unkenntnis, manchmal aber auch um den Profit zu erhöhen, das giftige Methanol nicht sauber vom Hauptbrand getrennt.

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